Freitag, 9. Oktober 2009

Keiner will es gewesen sein

Hier mal ein schönes Beispiel, wie man mit Verntwortung umgegangen ist (Hamburger Abendblatt 1986):

Verschwundene 15jährige aufgegriffen - Behörde ließ sie wieder laufen

Eine Mutter klagt an

- Tochter sollte zurück ins Heim ? Wille der Eltern mißachtet ? Keine Spur von dem Mädchen

Nach dem Verschwinden eines 15 Jahre alten Mädchens aus Schleswig-Holstein droht der Hamburger Sozialbehörde jetzt eine Klage. Polizeibeamte hatten das Mädchen frühmorgens in einer Discothek auf der Reeperbahn aufgegriffen und zum Kinder- und Jugendnotdienst gebracht. Doch die Mitarbeiter dieser Einrichtung der Hamburger Sozialbehörde ließen es wieder laufen - trotz Protesten der Mutter, trotz der Gefahr, daß das Mädchen ins Prostituierten-Milieu abrutscht. Der Leiter eines Landesjugendheims in Schleswig- Holstein riet daraufhin den Eltern: Verklagt die Stadt Hamburg!

Anja S. (Name von der Redaktion geändert) ist ein gutaussehendes Mädchen, schlank, das Gesicht von blondgelockten Haaren umrahmt. Sie sei, erzählt ein Freund, ein nettes, freundliches Mädchen, wirke wohlerzogen. Sie sei nur ein bißchen verwöhnt, aber das liege wohl daran, daß sie nie gelernt habe, auf etwas zu verzichten.

Die Mutter sagt: "Wir waren im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten drei Tage auf Büsum. Da muß etwas passiert sein." Die Mutter hat es nach der Rückkehr sofort gemerkt: Im Weinkeller fehlten 28 Flaschen, die Kühltruhe war leergeräumt. Anja hatte im Elternhaus anscheinend eine Riesen-Party gefeiert . . .

Danach verschwand Anja immer wieder. Erst ging sie heimlich - nachts kletterte sie durch das Fenster ihres Zimmers nach draußen. Dann blieb das Mädchen immer länger weg. Wo es sich nächtelang aufhielt - das wollte sie nicht sagen.

Die Eltern schickten ihre Tochter, die nun auch die Schule schwänzte, in ein Internat. 1200 Mark kostete das im Monat; der Vater, ein Handwerksmeister, zahlte. Doch wieder lief Anja weg, bis sie das Internat verlassen mußte. Da wußten die Eltern keinen Ausweg mehr: Sie brachten ihr Kind - es war Ende Juli - ins Landesjugendheim Selent (Kreis Plön). "Was sollten wir denn machen? Sie hörte doch einfach nicht mehr auf uns", sagt die Mutter. Und es klingt, als wolle sie sich entschuldigen.

Drei Tage blieb Anja im Heim - dann rannte sie wieder weg. Heimleiter Heyo Wulf (50) erstattete Vermißtenanzeige. Anjas Mutter fuhr nach Hamburg zur Davidwache, gab den Beamten ein Foto ihrer Tochter, sagte: "Wenn Sie Anja sehen, bitte, bringt sie zu mir zurück."

Am 30. September morgens um sechs Uhr entdeckten Polizeibeamte das Mädchen in einer Discothek auf der Reeperbahn. Bisher ungeklärt ist, ob das Mädchen schon ins Prostituierten-Milieu abgerutscht ist. Die Pollzisten informierten die Eltern und das Heim Selent, daß sie Anja gefunden hätten. Dann brachten sie das Mädchen zur Feuerbergstra- ße (Alsterdorf) in das Haus des Hamburger Kinder- und Jugendnotdienstes.

Es gibt zwei Aussagen über das, was danach geschah:

Die Mutter sagt, sie habe den Kinder- und Jugendnotdienst angerufen. "Ich habe gebeten, man solle meine Tochter um Himmels willen festhalten, sonst würde sie wieder weglaufen."

Der stellvertretende Leiter des Notdienstes, Jürgen Hinsch, sagt: "Anja wollte keinen Umständen zurück ins Heim nach Selent." Mutter und Tochter hätten miteinander telefoniert, die Mutter sei bei ihrer Meinung geblieben, daß die Tochter ins Heim müsse, die Tochter aber habe nicht gewollt. So kam der Augenblick, der die Mutter entsetzt: Ein Wagen des Kinder- und Jugendnotdienstes fuhr vor, sollte Anja nach Schleswig- Holstein bringen. Aber Anja stieg nicht ein. Sie ging weg. Niemand vom Kinder- und Jugendnotdienst hinderte sie daran. Anja ging einfach weg - und ist bis heute verschwunden . . .

Michael Weidemann, Specher der Hamburger Sozialbehörde, sagt dazu: "Wir lehnen jede Form der Gewalt ab. Wenn sich ein Kind nicht überzeugen läßt, freiwillig zurückzukehren, zwingen wir es nicht. Lieber lassen wir es gehen."

Heyo Wulf, Heimleiter in Schleswig-Holstein, dagegen sagt: "In Hamburg wird der Elternwille grob mißachtet." Es sei nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht von Eltern, sich um ihr Kind zu kümmern. Ein 15 Jahre altes Kind könne nicht allein über seinen weiteren Lebensweg entscheiden - deshalb beginne die Volljährigkeit auch erst mit 18 Jahren. Heyo Wulf: "Ich habe Anjas Eltern geraten, gegen den Kinderund Jugendnotdienst gerichtlich vorzugehen."

Anjas Mutter sagt: "Wenn uns auf diese Weise jede Chance genommen wird, miteinander wieder ins Gespräch zu kommen - wie sollen wir dann nur je wieder zu unserer Tochter finden?"

Kommentare:

  1. Was ist der Sinn dieser Seite? Unter der Überschrift "Wir Kinder..." wird auf eine Verfehlung in Hamburg hingewiesen. Es wird aber suggeriert, dass dies eine Verfehlung ist, die unmittelbar mit dem Lüttenhus zu tun hat.

    Ich störe mich auch an der Formulierung: "Hier mal ein schönes Beispiel, wie man mit Verntwortung umgegangen ist ..."
    1. ist das kein schönes Beispiel
    2. ist das schon ga kein Beispiel für Selent
    3. wird mit schechten Bildern gearbeitet, die eine unheimliche Atmosphäre ereugen sollen.

    Was also ist mit einer Seite in unmittelbarer Nähe zu den Blomenburg-Hassern bezweckt?

    Was ist mit denjenigen Erzieherinnen und Erziehern, die eine gute Arbeit gemacht haben?
    Sie werden durch Pauschalierungen ungerechtfertigt diskreditiert.

    Ich schlage vor: Erst seriös recherchieren und dann veröffentlichen und nicht schon im Vorfeld alle an den mehr oder weniger unausgegorenen Recherchen teilhaben lassen.

    Die Veröffentlichung von Teilergebnissen ist immer schädlich, denn Zusammenhänge werden nicht vollständig abgebildet und es werden Eindrücke und Meinungen erzeugt, die so nicht berechtigt sind.

    Sorry, aber nur, weil jemand sich eines Themas annimmt, kann man es nicht von vornherein gut heißen.

    Christian Pagel

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  2. Guten Tag Herr Pagel,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Es geht hier u. a. auch darum aufzuzeigen, welche Rolle die Behörden hier gespielt haben. Und dieses Beispiel ist beispielhaft für viele Erfahrungen der damaligen Insassinnen. Da gibt es weitaus andere schreckliche Geschichten, wie kleine Kinder ins Heim nach Selent gestopft wurden.
    Ich weiß nicht, ob es Blomenburghasser gibt. Ich weiß nur, dass es Menschen in Selent gibt, die mit dem Projekt Blomenburg nicht einverstanden sind. Und das Thema "Blomenburgprojekt" wird hier auch keinen Platz finden.
    Wenn Sie einmal Kommentare der Bewohnerinnen lesen würden, wüssten Sie, dass Erzieher und Erzieherinnen sehr wohl gelobt werden.
    Machen Sie doch einfach eigene Erfahrungen und sprechen mit Insassinnen, wie sie gelebt und gefühlt haben. Mein Rat hierzu: Ruhe bewahren!
    Diese "Einrichtung" ist und bleibt ein schwarzer Fleck für Selent.

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  3. Hallo Herr Pagel,
    keine schlechten Bilder! Ein schlechter Zustand für ein Denkmalgeschütztes Objekt!
    Dunkel und unheimlich, ja, - so spräche es zu uns, - wenn ein Haus sprechen könnte!
    Genau - recherchieren!

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  4. Zum Kommentar von Christian Pagel: PLONK

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  5. Hannelore aus hamburg 59 Jahre27. Dezember 2009 um 14:04

    Selent!!! Die Blomenburg ist für mich ein Inbegriff:Des --Gruselns--der UNFREIHEIT-der BEVORMUNDUNG- der UNTER-"ORDNUNG"-Keine lebensfreundliche Erziehung für das LEBEN "DA DRAUSSEN" ,sondern Aufstellen in Reihen,Essen holen, Arbeiten,wenig Ruhe,Individualität tot, Hosen waren noch eine Zeit verboten, Röcke nicht zu kurz ,Abgeschlossene Gruppen .Abgeschlossen!!!!ERZIEHERINNEN haben im "GUTEN GLAUBEN" gehandelt , hatten sie einen eigenen WIllen ??Alles nach Vorschrift ??? Muss alles seine Ordnung haben, in diesen Aufbewahrungsstätten, wo man mit Scham irgendwann ausspricht :Ich war im Heim---schwererziehbar ---SCHWERERZIEHBAR --ist doch großartig , was sich Erwachsene alles so einfallen lassen für kleine Menschen , die vom Leben noch so wenig wissen --ODER---- ??? Besonders des "unter Verschlusshaltens"der Kinder und Jugendlichen , weshalb auch immer sie da waren, waren den jungen Menschen sehr bewusst, mag sein , das vieles jetzt noch bei ihnen verschüttet ist in der Erinnerung , aber im Alter kommt vieles mit Macht ans Tageslicht , weil man sich vieles fragt :Warum, wieso , weshalb , auch die familiären Verhältnisse , man darf sich dann selbst nicht die Schuld geben , weil man ja das böse Kind war :UNVERBESSERLICH :UVB--- man hatte ja reagiert auf vieles , was man noch nicht verstand , was der Staat und Eltern und dergleichen so machten mit einem;))In den Räumlichkeiten, besonders ganz unten (Katakomben)gab es kleine Räumlichkeiten , wo ich einmal eingesperrt wurde , weil ich sagte , ich werde es hier im Heim nicht lange aushalten .Selbst die gesamte Burg, ein sehr grosses Gebäude für Kinder und Jugendliche ,war an sich ja aus dem Mittelalter, was man hier immer vergisst, ich bin auf Entdeckungsreise gegangen. --Insassen--- Ein grauenvoller Ausdruck , genauso ---ZÖGLINGE----, es gibt nichts schön zu reden , wenn Kinder und Jugendliche sich nicht frei bewegen DÜRFEN , in Lebensgemeinschaften mit FREMDEN ein Dasein erleben MÜSSEN ,wo UMARMUNGEN fast fremd sind , da durch in den Gruppen der GRÖSSEREN SEXUALITÄT in oft peinlichen Erlebnissen ausarteten(Pupertät .Es wurde darüber hinwegesehen, weil man wohl selbst nicht auf geklärt genug war ,trotz dieses Idioten Oswald Kolle , der glaubte , ganz Deutschland aufgeklärt zuhaben.Ich habe ihn samt Familie auf Sylt gesehen, die jungen Menschen der Zeit waren freier, wie er.Musik , Woodstock und vieles mehr .Ich kann mich noch erinnern , wie Gundi mit einem Lockenstab Nachts durch die Gruppe raste um irgendein Mädel damit sexuell zubearbeiten, war natürlich daneben , wer lässt sich sowas schon gefallen!! Blomenburg -Hassern , was für ein driskrimminierendes Wort ,wer es so empfindet , hat mit miesen Erinnerungen zutun ???? Mit freundlichen Gruss, Hannelore aus Hamburg

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  6. Hannelore aus hamburg 59 Jahre27. Dezember 2009 um 14:15

    Wie ein gehetztes Tier wurdest du gejagt, ein Wagen fuhr herum und suchte dich , wenn du es geschafft hattes "abzuhauen", die Selenter BÜRGER halfen , wenn jemand weglief, indem sie da OBEN auf der BURG anriefen, Ihnen war die Burg und ihre INSASSEN ein Dorn im Auge, auch wenn darüber wenig gesprochen wurde , aber nicht als billige Haushaltskräfte--

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  7. Herr Pagel: Kennen Sie die Hannelore aus Hamburg?? Wenn nicht, dann sollten Sie mal ihre Kommentare lesen. Vielleicht begreifen Sie dann besser.

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  8. Hallo, ich war etwas mehr als ein jahr auf der blomburg 1986 bis mitte 87,also wir hatten super erzieher,das man als kind oder jugendliche nicht mit allem was die erzieher sagen einverstanden ist ,ist ganz normal.Ich habe weder damals noch heute was schlechtes über blomburg gehört gehabt,bis ich diese seite gefunden habe .Eine damalige erzieherin war selbst heimkind auf blomburg ,sie hat uns viel erzählt aber nie schlechtes.

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  9. ...aber nie Schlechtes,gab es trotzdem und noch schlimmer und alles in diesem Lande ... ;)) Ist schwer zu ertragen, sogar heute noch, LG

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